Der normale Urlaubstag in Lignano.


Wie immer am frühen Morgen unterwegs mit dem Fahrrad zum Strand.
Um 6.45 Uhr werde ich schlagartig wach. In der Via dei Fiori werde ich von einem furiosen Italiener im Alfa mit etwa 80ig Sachen überholt. Komisch der Schnellfahrer gefällt mir. Jetzt wird mir so Einiges klar! Richard David Precht fällt mir ein. Er erklärt in seinem Buch „Wer bin ich, und wenn ja wie viele“ dass sich die Gene unserer Vorfahren nicht verleugnen lassen.
Die Tatsache, dass ich auch sehr gerne schnell fahre und zu gerne einen Ferrari unter dem Allerwertesten hätte ist also kein Zufall. Allerdings sollte man nie schneller fahren als der Schutzengel fliegen kann! Vermutlich war da ein italienischer Vorfahre in meiner Ahnenkette. Allerdings war ich immer der Meinung, dass auch ein österreichischer Großvater dabei war. Warum mag ich kein Bier und trinke gerne einen Veltliner, Pinot Grigio oder Trollinger? Das kann kein Zufall sein. Übrigens ist der Trollinger ursprünglich eine Südtiroler Rebe, nachzulesen im Weinatlas.
Somit bin ich mit Precht und meinen Vorfahren zufrieden. Im meinem früheren Leben gab es sicher einen feuriger Toskaner und eine österreichische Reblaus.
Komische Urlaubsgedanken so früh am Tag. Ich lasse den Philosophen und genieße das schöne Wetter. Bereit zum Strandmarsch nach Sabbiadoro. Wie immer sind um diese Zeit nur Sportler unterwegs.


Die hübsche Italienerin mit der großen Sonnenbrille joggt auch wieder. In den Liegestühlen flanieren einige Österreicher. Nach ausgiebiger Nacht haben sie am Strand geschlafen. Jetzt wird sie mit flotten Sprüchen von den Übriggebliebenen angemacht und mich trifft fast der Schlag als sie kontert! „ Schleichts eich ihr bsoffene Wabbler“ antwortet meine vermeintliche Italienerin mit einem breiten wienerischen Dialekt! Mir fällt der Spruch von Nestroy ein: „Der Mensch ist guat nur die Leut san a Gsindl“. Leider habe ich ab sofort ein italienisches Model weniger am Strand von Lignano.
Weiter geht es Richtung Sabbiadoro und zwei Athleten mit verzerrtem Gesicht rennen mich fast über den Haufen. Fehlt nur noch das Einer zu mir sagt: “Quäl dich du Sau“! Der Gesichtsausdruck sagt alles. Perfekte nonverbale Kommunikation. Ganz automatisch beschleunige ich zum Stechschritt damit er zufrieden ist. In der notwendigen schöpferischen Pause gibt es Stabis und Rentnergymnastik. Dabei lässt sich so viel beobachten.
Es ist wie immer. Die Frauen sind in der Überzahl. Wo sind die Männer, oder sind die Hübschen alle Solo? Liebe Alleinstehende Sucher spart euch die teuren Gebühren für eine Partnervermittlung. Ihr bekommt alles gratis am Strand von Lignano. Die jüngeren Hühner sind abends in der Freiluftdisko zum balzen und die sportlichen Typen morgens am Strand beim Joggen. Hier gibt es die freie Auswahl in jedem Alter und unterschiedlicher Schönheit. Wie zu alten Zeiten.


Halbe Wegstrecke erledigt. Ein Espresso dopio im Strandkaffee Portofino in Sabbiadoro und die 3km zurück nach Pineta. Danach nehme ich mein Bad im warmen Mittelmeer, schnell noch eine Dusche, dann mache mich langsam auf den Heimweg. Die Hübschen sind immer noch beim Joggen. Ich halte es mit dem Spruch von Wilhelm Busch. “Das Gute, dieser Satz steht fest ist stets das Böse das man lässt“. Schließlich ist jede Entscheidung gegen etwas auch eine Entscheidung für etwas, oder umgekehrt.
Beim Bäcker treffe ich meinen Schwiegersohn Steffen mit Enkel Marlon und Leon. Er nimmt mir Brötchenkauf und Zeitungskauf ab. 9.30 Uhr und das Frühstück ist vorbereitet. Anja mit Enkelin Melissa und Freundin Larissa deckten den Tisch.
Oma und Opa werden richtig verwöhnt und verwöhnen Marlon und Leon.

Nächste Woche ist Schichtwechsel. Mal abwarten ob es mit Tochter Nr.2 Heike, Klaus und Enkel Marvin auch so klappt. Heute muss ich auch noch malochen. Die Kinder sind mit den Frauen im Park und die Männer haben Zeit den Garten zu säubern. Zwanzig Säcke mit Piniennadeln gibt es über den Winter. Arbeit macht frei, oder wie heißt das Lebensmotto von unserem weltberühmten Physio Grilli in Wien: Carbe diem-nütze den Tag/genieße die Zeit.

Ach ja, ohne Hockey geht es nicht ganz im Urlaub. HTC Managerin Claudia schickt ein SMS. Die U14 ist Turniersieger in Köln geworden und dass ohne Trainer. Es gibt ja gute Betreuer.
Wenn sie eine Mannschaft sportlich betreuen werden sie auch Coach, sollten dann aber eine Anleitung durch den Trainer erhalten. Selbsternannte Trainer ohne Ausbildung gibt es allerdings überall, aber das sind nur Kompetenzsimulanten.
Freude, dass die Knaben A langsam erwachsen werden. Aber nur langsam, es gibt noch viel zu lernen. U12 hat es in Köln nicht geschafft und das Halbfinale verloren. Auf ein Neues im nächsten Jahr.
Zufrieden geht es nochmal an den Strand zur Reinigung des geschundenen Körpers. Wieder habe ich heute für mein biologisches Wohl alles getan. Nicht geraucht, nicht fett gegessen, viel Bewegung und Alkohol nur als schwaches Genussmittel zu mir genommen. Ein schönes Pfingstwetter 2011 tut für das Wohlbefinden den Rest, so kann es bleiben.

DAS Erste Mal, in Italien 1959 Verlobung feiern mit meiner ehemaligen Geliebten und noch immer Ehefrau.


Ein ganz normaler schöner Urlaubstag geht allmählich bei nur einem guten Glas Wein langsam zu Ende.
Ciao Horst